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Dienstag, November 04, 2008

tom collins

habe mich mal wieder, vom sorgfältig, normativ, betonierten beckenrand, kopfüber in die soziale jauchegrube gestürzt. der strom des sauber kanalisierten workin class hedonismus, vermag mich schließlich nicht verschlucken, wie ein fettauge schwimme ich oben, getragen von einer rettungsweste aus bildungsbürgerlicher herkunft und semesterticket, immer in richtung der oberflächenströmung. die verlässlichkeit einer "schäbigen" kneipe ist beispiellos. hier wird mann nicht enttäuscht. es sei denn man gehört zu der sorte mensch, welche in ihrem kulturpessimismus ernsthaft glaubt, auch hier würde FAZ gelesen, hier wird gelacht. mit uns ohne uns. über uns.

ich möchte mich für mein abitur schämen, und über meine montagejobs reden. im gegensatz zu zusammenrottungen der studentischen lappen, erlebt man hier wenigstens etwas, auch wenn es hier wie dort das gleiche ist. eingerieben mit dem geruch des proleteriats beginne ich langsam meine schwimmweste zu lockern. sonst komme ich hier nicht weiter. der alkohol ist auch hier, und nicht gerade hier, gleitgel der kommunikation, nivellierer sozialer ungleichheiten und selbstsicherheits lieferant.

überall werden drogen um die wette genommen, und ob es sich um sandkuchengroße häufchen weissen pulvers, auf personalausweisen mit fotos von menschen der kopf mit wursthaar bepflanz ist, oder gerippte gläser mit vergorenem apfelsaft handelt. ist egal, scheissegal. wenigstens stinken meine klamotten beim verlassen einer lebenstraum-begräbnisstätte nicht nach bongschmand. ganz zu schweigen, das ich nie von der stürmischen teenagerliebe der umstürzlerischenweltverbesserung auch nur einen zentimeter abgerückt bin, ganz im gegenteil selbst in ihrer abwesenheit halte ich ihr die treue.

wenn jatzt irgendein klassenbewusster vollidiot mir vorwerfen willl, das ich mich am elend der präkarisierten ergötze, so soll er zu hölle fahren oder mir folgen, an seinem elend habe ich mich lange genug aufgegeilt. die soziale schwimmweste hält im millieu der kettenraucher nicht lange, bist du nämlich nicht bereit sie zu lockern, und selbst zu strampeln, schwappst du als fettauge ganz schnell über den beckenrand, bzw. wirst durch die kneipentür geworfen.

das einzige was ich mir (noch) anhängen lasse, ist das ich andere welten kenne und mich in ihnen bewegen kann. doch wer einmal in den microkosmos der eckschenken abgetaucht ist, der weiss das sich hier keinesfalls nur der junkfoodsüchtige alkoholiker ohne festanstellung rumtreibt, der mir mittlerweile doch lieber ist als gesponsorte studenten frei von jedem realitätssinn, hier operiert man nah.am.menschen.

habe die schnauze voll von nichraucherknipe-gängern die irgendwas mit kultur oder besser kunst, geld oder alldem studieren, interessante gespräche sucht man hier wie ein pissoir auf dem damenklo, die menschliche distanz verlangt nach einem emotionalen marathonlauf in der wüste gobi. bei dieser übung breche ich regelmäßig noch vor der zielgraden zusammen, bzw. höre einfach auf zu rennen und geh zur tür hinaus in meine eckkneipe.

eigentlich hatten wir uns nur kurz in der stadt getroffen, zum einkaufen. mittlerweile bezahlen wir unseren, lieblos zusammengewürfelten, tom collins, der nicht nur billig sein soll, sondern auch so schmecken, mit rotgeld. die erbärmlichen reste einer dahinhalluzinierten studentenkultur, werden von kreisförmig angeordnetem menschenmüll und kopflastigemeasylisteningcooljazz zu einem brei verwandelt, welcher nur noch an den rändern der kloschüssel, genannt "realität" klebenbleibt, der rest entschwindet richtung kanalisation.


in der spelunke ist das klo verstopft & der geldautomat verspricht mehr prickeln als debatten über psychatriekritik oder gar die selbstvergewisserung linker bildungsbeamtenbürgerkinder die das yuppietum, nach einer entbehrungsreichen jugend zwischen punkrock, antiamerekanismus und second hand schmuddel für sich entdeckt haben. eure eltern hatten doch vielleicht ein bisschen recht.

allerings bleibt ihr wenigstens in sofern euch selbst treu, als, daz ihr weiterhin(und mittlerweile) hervorragend auf line, online & linie denken könnt. die stillose einfältigkeit eures kleidungsstils ist auch geblieben, nur ne ecke teurer geworden. aber als hedonist kann ich ohne schlechtes gewissen mit dem geld meiner eltern prahlen, wenn ich mit mir gerade, in markenklamotten gehüllt, ne raketengeile plastetüte von gravis, gefüllt mit nem i pod durch die stadt trage. (früher hättet ihr das ding sicher noch beschämt im, zu tief-hängendem, vollgetagtem, eastpack-rucksack verstaut & knallhart behauptet den gefunden zu haben.)

da verbringe ich die wartezeit bis zur revolution doch lieber damit, mein geld in spielautomaten und kellnerportmonaies, von 24stunden kneipen mit jukebox*, zu stopfen.

*in die ich auch hin und wider geld einwerfe, um zum beispiel lieder von antrax oder motorhead zu hören

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